Sylt 2009

Mit dem Rad über die Insel

Mit dem Rad auf Sylt fahren? Wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Vor 16 Jahren waren wir das letzte Mal auf "der Insel" und es war - so meine vage Erinnerung - keine Radfahrerinsel. Aber in diesem Jahr ergab sich eine günstige Gelegenheit (die Jugendfreundin meiner Frau hat eine Wohnung in Rantum gekauft) für einen Sommerurlaub auf Sylt. Eine gute Wahl, sowohl die Wohnung als auch der Standort für den Urlaub.

Die Planung habe ich vorher mit der Top50 Karte und mit Sylt.de gemacht. Dort gab es die Grundlage für die 3 Touren über die ganze Insel. Die Wahl des Rades fiel, wie auch im Fehmarnurlaub, auf den Crosser mit den 32er Slicks (Schwalbe Durano). Für einige Strecken ist ein reines Rennrad wegen Schotterbelag wahrscheinlich nicht immer die beste Ausrüstung, ich fühlte mich aber mit meinem Ridley pudelwohl. Martina hatte wie Julian ein Mountainbike mit Slicks. Auch die fühlten sich wohl. Wenn wieder eine Crossveranstaltung auf Sylt bei Helmuts-Fahrrad-Seiten.de geplant wird, bin ich auch dabei, denn es gab Wege zu sehen, die bei weniger Fußgängerverkehr zur einer Offroadtour reizen. So blieb es bei Straße und Schotterstrecken.

Nach Osten in die Friesendörfer

Die erste Tour habe ich mit Martina unternommen (wir haben sie aber mit Julian noch einmal später gefahren), es sollte eine zum Aufwärmen sein so ca. 38km. Es bot sich die Tour durch die Friesendörfer nach Osten an. Der erste Start war etwas verunglückt, da ich den "Einstieg" der Stecke über den Damm des Rantum Beckens nicht fand. Aber nach dem Umweg über den Hafen Rantum waren wir auf dem Damm, der von der Wehrmacht aufgeschüttet worden war, um einen Flughafen für Wasserflugzeuge zu bauen. Heute ist es ein Naturschutzgebiet für Wasservögel. Wirklich sehenswert. Wir sind 3mal über den Damm gefahren, immer wieder ein schönes Erlebnis.

Nach dem Damm führt die Strecke Richtung Morsum am Nössedeich entlang. Wir sind an der Wattseite über eine schöne Asphaltstrecke gefahren, die im Frühjahr teilweise wegen der brütenden Vögel gesperrt ist. Aber in den Sommerferien hinderten nur die Schafgatter an einer zu schnellen Fahrt, da man hier bei dem meist vorherrschenden Westwind Rückenwind hat. Wenn die Deichstrecke zu Ende ist, kommt man entlang des ersten Golfplatzes (von Axel Springer erschaffen) nach Morsum. Bei unserer zweiten (gleichen) Tour haben wir einen Abstecher in das Naturschutzgebiet "Morsum Kliff" gemacht, es ist sehenswert.

Ein wichtiger Anlaufpunkt war für uns das Cafe von Ingwersen in Morsum mit einem herrlichen Garten. Dort stehen steinerne Köpfe und andere Kunstobjekte und es gibt Kleinigkeiten zu Essen und leckeren Kuchen. Die Galerie gegenüber zeigte Bilder von Udo Lindenberg, aber die haben wir uns in Hamburg in der Europa Passage schon des öfteren angesehen.

Von Morsum geht es über einen Radweg (Vorsicht ist hier immer geboten) über Archsum nach Keitum. Da wir dort noch öfter zur Besichtigung waren, haben wir mit den Rädern keine große Rast gemacht. Ansonsten ist Keitum ein "Muss". Eines der ältesten und schönsten Dörfer auf Sylt mit vielen reetgedeckten Häusern und schönen Gärten davor. Auch eine große Anzahl von Galerien, wovon aber einige durch Geschäfte ersetzt wurden, gibt es in Keitum. Während unserer Ferien wurde in Keitum ein Poloturnier und ein Springveranstaltung angeboten. Ein Auflauf der "Schönen und Reichen" mit interessanten Zweitwagen.

Von dort führt die Strecke nach Tinnum, was für uns durch 3 Dinge geprägt ist. Erstens der Fischimbiss Blum, wo man hervorragend essen kann, zweitens die Einkaufsmöglichkeiten in Supermärkten und drittens die Tinnumburg, an der der Weg vorbeiführt. Beim ersten Mal sind wir noch bis Westerland und dann entlang der Hauptstraße gefahren, haben uns aber beim Mal für die schönere Strecke unterhalb der Tinnumburg und dann bis zur Recylingfirma auf der Nebenstrecke entschieden. Erst kurz vor der Jugendherberge kommt man wieder auf die Hauptstraße, hier mit einem sehr breiten hervorragenden Fahrradweg, der aber auch sehr gut genutzt wird. Kurze Zeit später sind wir wieder an unserem Feriendomizil in Rantum angekommen.

In den Norden nach List

Diese Tour bin ich in voller Länge (ca. 58km) von Rantum nach List und zurück allein gefahren, eine kürzere Version (39km) von Keitum nach List und zurück bin ich mit Martina gefahren. Die Strecke von Rantum bis Keitum ist unspektakulär, aber kräftigt die Ausdauer. Erst ab Keitum entlang der Kirche St.Serverin nach Munkmarsch ist es eine "schöne" Tour. Auch hier gibt es einen Radweg, auf dem man tagsüber nie allein ist, also eine Klingel ist angebracht - am Crosser so wie so. Ein Abstecher in den Munkmarscher Hafen lohnt, der Hafen sowie das Restaurant und Hotel Fährhaus ist sehenswert.

Auch ist das Auf und Ab der Straße eine willkommene Trainingseinheit. An Braderup ist der Ort nicht sonderlich sehenswert, aber die "Braderuper Heide". Ich hätte nie gedacht, dass auf Sylt so viel Erika blüht. Ein herrliches Farbenspiel. Zur Linken sieht man nun den Kampener Leuchtturm und man kommt in den berühmten Ort. Die Verkehrsdichte an Nobelkarossen ist imposant, man zeigt im Urlaub, was man hat. In Kampen wechselt man von der Watt- auf die Nordseeseite und erlebt eine neue wunderbare Landschaft. Der Radweg auf der alten Inselbahntrasse ist in der Ortsnähe mit super Asphalt belegt, in den kommenden Dünen mit einem Schotter, der gut befahrbar ist.

Ich weiß nicht, wo das sogenannte Listland beginnt, aber was hinter Kampen beginnt, ist einmalig und ein "Muss" für alle Sylt Besucher. Man muss es einfach gesehen haben, mit Worten ist es nur schwer zu beschreiben, ich habe viele Panoramafotos geschossen, die ich hier zum Teil (in verkleinerter Version) zeige. Wir überqueren wieder die Hauptstraße und eine Radweg-Autobahn (blöde Wortschöpfung) nach List beginnt. Links sieht man die erste Wanderdüne, die einen an die Sahara erinnert. Am Ortseingang von List gibt es einige Outletshops, deren Besuch durch Martina mich einige Euro gekostet haben. Dies aber erst bei unseren zweiten Besuch mit dem Auto und etwas "zivilisierterer" Kleidung.

In List ist ein Besuch des Hafens mit dem Fähranleger nach Romo (Dänemark) ratsam. Der Hafen ist natürlich beherrscht von GOSCH. Nicht nur die Stretchlimosine zeugt von Lists bekanntestem Sohn und erfolgreichstem Unternehmer. Auch die Restaurationen und Shops sind irgendwie Gosch geprägt. Das neue Erlebniszentrum "Naturgewalten" wartet noch auf meinen Besuch. Ein Besuch bein Gosch erspart das Lunchpaket, es gibt für jeden Geschmack etwas. Der Ort kann noch nicht richtig verbergen, dass es einmal ein großer Bundeswehrstandort war. Aber er ist auf dem richtigen Weg. Mit Martina ging die Tour auf gleichem Weg zurück durch die Dünen, ich bin dann in Richtung "Ellenbogen" gefahren und dann durch das Listland nach Kampen zurück. Die Dünen sind ein grandioses Schauspiel der Natur. Die Straße ist eine Holperstrecke nur was für Crosser oder Standardräder, meinen beiden Rennern hätte ich sie nicht zugemutet.

Über die alte Inselbahnstrecke geht es bis Kampen zurück. Mit Martina haben wir einen Abstecher in die "Kupferkanne", einem bekannten Gartenlokal in Kampen gemacht. Dort kann man sogar mit dem Pferd einkehren, deren Haltebucht diente auch unseren "Drahteseln" als Aufbewahrungsort, da ich kein Schloß dabei hatte. Tolles Ambiente gepaart mit köstlichem Kuchen und Landschaft läßt einen lange verweilen. Meine Tour ging auf direktem Wege nach Wenningstedt, wo wir vor 16 Jahren Urlaub gemacht haben. Der Ort gefällt mir heute weniger, aber zum Radfahren geht es gut. Zwischen Wennigstedt und Westerland ist der Weg schmal und stark frequentiert von Fußgängern und Radlern, die Klingel kommt häufig zum Einsatz.

Ist man einmal durch Westerland durch, sind die letzten Kilometer auf dem Radweg entlang der Hauptstraße nur noch eine Erholung für den Rennradfahrer.

In den Süden nach Hörnum

Die Entfernung von Rantum nach Hörnum ist auf der Karte die kürzeste. Aber da habe ich noch einmal eine Runde um das Rantum Becken eingebaut, dieses Mal in umgekehrter Richtung. Auf dem Radweg neben der Hauptstraße kam uns der Bundesinnenminster mit einem Handybike entgegen begleitet von einem Troß Sicherheitsbeamten - Chapau Herr Minister. Es gibt jedes Mal was neues zu sehen. Abseits der Hauptstraße durch Rantum kommen wir auch hier zur alten Inselbahn Trasse. Ein Stück weiter und Martina will lieber auf die Straße bzw. den Radweg wechseln, da Ihre Schulter schmerzt. Vorbei an den Parkplätzen Samoa und Sansibar, der schon überfüllt war und die Autos auf der Straße warteten, passierten wir die LORAN Station, ein Relikt der Vor-GPS Zeit, als Schiffe noch mit anderen Hilfsmitteln navigierten. Diese Strecke hatte auch ihre Vorteile, da wir auf einer Düne hinter einem Parkplatz eine Radarstation entdecken und dort hinauf fahren. Einen tolle Aussicht auf den Nordseestrand und das Watt entschädigten für die "Bergetappe".

An Anfang von Hörnum haben wir uns erst verfahren und standen vor der Umzäunung des neuen Golfplatzes Budersand. Also zurück auf den Radweg und direkt nach Hörnum rein. Dort haben wir Martinas Geheimtipp für eine Snack gesucht, der aber wohl schon länger geschlossen war. Also wieder auf der Hauptstraße und das Cafe hatte keine warme Küche mehr, aber das Fischreataurant gegenüber. Auch dort haben wir gut gespeist. Dann weiter zum Hafen und das Anlegemanöver eine Fischtrawlers beobachtet. Auf der Nebenstraße zurück nach Rantum konnte man auch die Vergangenheitg von Hörnum als Bundeswehrstandort erkennen, aber auch hier wie in List scheint die Konversion schnell voran zu schreiten. Dann wieder auf der Inselbahntrasse am Watt entlang mit wieder anderer Vegetation bis Puang Klent (keine Ahnung warum das so heißt) und wieder auf den Radweg an der Hauptstraße gewechselt. Mit Rückenwind geht es nach Rantum zurück, das Abendrot genießen.

Übrigens waren wir auch mal mit dem Auto abends in Hörnum und haben eine Wanderung um die "Hörnum Odde" gemacht. Ein Erlebnis, was man unbedingt einmal machen sollte.

Weitere Fotos aus dem Urlaub.

Alle Streckenführungen (Vorsicht große Datei):


 


Die Streckenführung in den Osten:


 


Die Streckenführung in den Norden:


 


Die Streckenführung in den Norden verkürzt:


 


Die Streckenführung in den Süden:


 


Weitere Informationen unter 
Das Sylt Portal


wilf