Sjælland Rundt 2009

320 km durch Dänemark

Nachdem ich im letzten Jahr den Mitternachtsmarathon gefahren bin, habe ich mir 2009 die Sjælland Rundt vorgenommen, die zum 30igsten Mal ausgetragen wurde. Die Streckenführung ist dafür verlängert worden. Axel muss man auch nicht lange übereden, wenn es eine verrückte Radtour zu fahren gibt. Also übernehme ich die Anmeldungen, denn man muss viel Fremdsprachenfantasie haben, um erfolgreich zu sein. Die Homepage bietet zwar englisch und deutsch an, aber die Informationen sind nicht ganz richtig bzw. veraltet. Die online Anmeldung ist auf dänisch, was wir alle fließend beherrschen. Aber mit dem Mut zur Lücke hat es geklappt. Schneller und problemloser war die Suche und das Buchen des Hotels. Dort kommt man mit englisch, manchmal auch deutsch weiter. Das Touristoffice empfahl mir ein Hotel nebenan, das Centralhottelet, was ca. 50 m von Start/Ziel entfernt war.

Für die Fahrt hatte ich mir die Autobahnstrecke über die A7 und E20 gewählt, da die Verbindung über Fehmarn mit der Fährverbindung nicht schneller, aber für mich erheblich teurer ist als die Maut über die Storebælt Brücke. Die Autobahnen sind in Dänemark außerhalb der Stoßzeiten - wir sind Freitag um 10:30 Uhr gestartet und um 14:00 Uhr in Køge eingetroffen - angenehm zu fahren. Schnell wurde im Hotel eingecheckt und dann 1 Stunde geruht, schlafen ging da weniger. Danach sind wir durch die Stadt geschlendert, auf dem Marktplatz wurde Start und Ziel aufgebaut und die Startunterlagen im Rathaus abgeholt. Es gab auch einen Championchip, aber keine Leihgebühr, in einer prima Halterung für Schnellspanner oder Montage am Rahmen. Die Stadt Køge ist alt und Axel nennt sie "Puppenstube", weil alle Häuser relativ klein sind, aber es hat Charme. Das Essen haben wir bei einem Chinesen eingenommen, der ein "Sjælland Rundt Buffet" anbot. Danach wurde es Zeit, unser Material zu überprüfen und das Nicht-Notwendige auszupacken. Die Regenjacke und die Windweste blieben zu Haus. Im Hotel hatten sich auch andere Radler einquartiert. Ein Rad bzw. Tandem fiel auf, da die Fahrer/-in Rücken an Rücken saßen, sie hatten es "Recycle" getauft. Wir haben sie aber nie auf der Strecke gesehen, ich wäre auf die Reaktion der anderen Teilnehmer gespannt, wenn sie so einen "Geisterfahrer" vor sich sehen. Danach ging es zum Start.

Es war ca. 21:00 Uhr, irgendjemand hielt eine Ansprache oder gab Verhaltensregeln ("immer schön nach StVO blabla..."). Wir konnten es nicht verstehen. Zum Start hatte man Gitterzäune aufgestellt und jeder Teilnehmer bekam vorher einen Startslot zugeteilt. Außerdem dachte ich, es würde jemand die Beleuchtung kontrollieren. Aber nichts geschah und plötzlich waren wir in einer der beiden Startgassen und es ging los....

Durch die Verengung am Start entstand keine große Gruppe, sondern alles fuhr in Kleinstgruppen los. Kurze Zeit später sahen wir 2 Fahrer mit Jungheinrich Trikot, die meinten ein Gabelstapler führe nicht schnell, aber lange. Irgendwann haben wir sie mal mit einem platten Reifen gesehen, ich dachte immer Gabelstapler hätten Vollgummireifen. Unter den ca. 770 Startern warten nur ca. 30 deutsche Teilnehmer, am gleichen Tag war der Mitternachtsmarathon in Nortorf, eine Nordcup und letzte Supercup-Veranstaltung. Ein paar Kilometer ging es über hervorragende Straßen, dann gings rauf und runter über meist schmale Nebenstraßen, die natürlich nicht gesperrt waren. Die Autofahrer verhielten sich sehr gut. An großen Kreuzungen standen Helfer mit Fahnen, die durchaus den Verkehr anhielten. Die Beschilderung war gewöhnungsbedürftig, so dass ich Axel fragte, ob das eine Schnitzeljagd werden würde. Es waren kleine, runde Schilder mit dem Veranstaltungslogo und einem Pfeil, den man nur aus 5-10 m erkennen konnte. In der Nacht hat man eine LED, einen Leuchtstab oder einen elektrischen Pfeil drangehängt. Die Nortorfer sollten dem Veranstalter mal ihre Quelle für die Pfeile des Mitternachtsmarathon verraten, der war entschieden besser.

Die Steigungen und Abfahrten über kurvige Straßen waren nicht mein Lieblingsprofil und hinterließen ihre Spuren auf meinem Herzfrequenzmesser. Mein Puls war um einiges höher als beim Auftakt des Mitternachtsmarathon, wo es lange Geraden gab, um sich einzurollen. Es war schön im Hellen zu starten und dann wurde es dunkel, wobei immer ein heller Streifen am Horizont zu sehen war. Die erste Verpflegung gab es schon nach 29 km. Für uns etwas früh, aber man konnte nicht wissen, was uns erwartet. Die Depots wurden ausgerichtet von der dänischen Armee oder dem Heimatschutz, so genau konnten wir das nicht auseinanderhalten, aber ein Teil der höheren Ränge sahen aus, als ob sie etwas Training vertragen könnten. Es gab an jedem Depot Mengen warmen Kaffees, so etwas wie Marsriegel und noch ein anderes Angebot, meist auch Bananen.

Die Achterbahnfahrerei dauerte fast bis km 100 und es gab längere Abschnitte durch dichten Wald, wo man die Straßen bei der Abfahrt ständig beobachten mußte, denn es gab auch Sand oder Steine auf der Straße. Irgendwann fragte ich Axel, ob er wisse, warum so viele gute dänische Fahrer an unseren Hinterrädern "lutschten". Sie hatten meist nur ein Knog LED Lichtlein. Man konnte sie zwar sehen, aber sie haben nichts gesehen. Wir dagegen erleuchteten die Straße mit Scheinwerfern. Wobei wir dieses egoistische Verhalten (die anderen haben doch Licht, Ersatzteile etc.) mehrfach beobachten konnten. Am 2. Depot gab es Schwarzbrot mit fleischigem Belag, für den vegetarischen Axel kein Genuss. Beim 3. Depot war ein Zelt aufgebaut und es gab fettigen Kartoffelsalat mit scharfen Fleischklopsen, ich weiss nicht wie sie auf dänisch heißen, aber auf solch einer Tour liegen sie schwer im Magen. Im Zelt sah ich einen Mitfahrer, der mich aus der Entfernung stark an Helmut erinnerte, aber der - wie ich wußte - in Nortorf fuhr. Danach habe ich mich teilweise auf die Gels verlassen, die ich vorsorglich mitgebracht habe. An späteren Depots gab es Stände mit Pölzer (rote Bratwürstchen) oder sauren Nudelsalat. Ich denke, das sind richtige Gerichte für Soldaten auf einem Marsch, aber für eine Sportveranstaltung? Im Dunkeln sahen wir die erleuchtete Storebælt Brücke von mehreren Seiten eine Stunde lang. Imposant.

Es dämmerte sehr früh ca. 3:00 Uhr und die Fahrt wurde ruhiger. Die Weste (im Hotel zurückgelassen) hätte man eine kurze Zeit am frühen Morgen gebrauchen können. Eine Unart, die auch bei uns umgreift, lernten wir nach etwa 150 km kennen, es wurde ein Richtungspfeil umgesetzt. Mein Garmin piepte zwar, aber da das kein Original-GPS-Track des Veranstalters war, konnte ich nicht sagen, wir müssen links oder geradeaus. So sind einen Kringel gefahren und dann über die Hauptstraße Richtung Naestved gefahren. Irgendwann gab es einen Streckenposten, der uns auf den richtigen Weg brachte, wo auch die Matte der Kontrollmessung lag. An der nächsten Verpflegung traf ich dann die Kollegen vom "Team Rückenwind" aus Elmshorn, von denen ich Wolfgang aus dem Forum von Helmut kannte.

Danach lief die Strecke über die "Margareten Route" einer landschaftlichen sehr schönen Strecke vorbei an großen Gütern und durch viele Wälder, die bei der Witterung immer wieder Schatten spendeten. Aber auch Abstecher mit Steigungen waren ausgesucht worden, nur um mich zu ärgern. Ich ließ Axel häufig wieder Geschwindigkeit rausnehmen, um nicht "heiß zu laufen". Eine längere Strecke hatten wir wieder 2 dänische Jungs an den Hinterrädern, die gern mit Axel weggefahren wären, bis sie merkten, dass er immer wieder auf mich wartete. Wir fahren schon über 10 Jahre zusammen und kennen unsere Fahrweise. Bergab schlage ich ihn immer - die Fliehkraft... Wenn ich mir die Ergebnisse anschaue, schätze ca. 150 DNS oder DNF.

10 km vor dem Ziel gab es die letzte Verpflegung über den Sinn oder Unsinn ließe sich diskutieren. Danach haben wir einen dänischen Kollegen getroffen, der eine Panne hatte, aber keine Pumpe. Die brauchte er auch nicht, denn er wußte sowieso nicht, wie man einen Schlauch wechselt. Eine komische Einstellung, denn er war auch in einer Gruppe gefahren, die uns eine zeitlang begleitet hatten. Seine Kollegen waren einfach weitergefahren. Uns störten die 20 Minuten Zeitverzug nicht, denn was sollten wir gewinnen? So sind wir kurz nach halb 12 in die Stadt gefahren und durchs Ziel gerollt. Dort warteten mehrere Helfer, der eine hängte mir die Medallie um der andere stach mit einen Schraubenzieher in die Halterung und der ChampionChip fiel ihm in die Hand. Die Halterung blieb am Rad - ein Stück Plastik. Genial einfach und nicht solch ein Chaos wie bei den Cyclassics.

Dann schnell ins Hotel unter die Dusche und wir wollten 1 Stunde schlafen, wenn nicht zweimal meine Familie angerufen hätte, weil Telefon und Internet eine Störung hatten. Danach zum Italiener etwas essen und nochmals die Stadt und den Hafen ansehen. Auf dem Marktplatz war immer noch viel los, da am Morgen 1.000 Teilnehmer auf eine 197 km Runde und welche (wieviel?) auf eine 112 km Familientour gestartet sind. So saßen neben der Zielgasse und aßen ein Eis. Ca. 21:30 Uhr wurde die Müdigkeit so groß, dass wir lieber ins Bett gingen. Am Sonntag fuhren wir in aller Ruhe ohne Stau nach Hamburg zurück.

Das Fazit: Es hat sich gelohnt, dabei gewesen zu sein. Aber ich glaube nicht, dass ich nochmals teilnehmen werde. Oder die Vorbereitung muss besser sein bei weniger Systemgewicht....

weitere Fotos der Veranstaltung

Die Streckenführung, aufgezeichnet mit Garmin Edge 205 (aber Vorsicht große Datei):


 


Die Karte vom Veranstalter:

Karte

Das Höhenprofil, aufgezeichnet mit Polar S710:

Höhenprofil

Das Wetter:

Wetter

Weitere Informationen unter 
der Veranstalter


wilf