255 km durch Schleswig-Holstein
Eine Veranstaltung der etwas anderen Art stand in 2008 auf dem Programm. Im Rahmen des Bundesradtreffens in Nortorf wurde ein Mitternacht Marathon veranstaltet, d.h. Start um 24:00 Uhr oder 0:00 Uhr je nach Lesart. Thomas Kasimir hatte in der RG Wedel für die Veranstaltung geworben, einige Mitglieder waren die gesamte Woche dort und sind jeden Tag eine RTF gefahren. Ich habe mir den Freitag frei genommen und bin um 20:00 Uhr in Nortorf eingetroffen. Der Marktplatz ist recht überschaubar, so dass ich die Vereinkollegen schnell gefunden hatte, nachdem ich mein Trikot bei der Anmeldung abgeholt hatte. Eine Portion Spagetti beim Griechen war dann die angesagte Marschverpflegung für die Nacht.
Dann ging ich zum Auto, das ich vorsorglich an der Schule "Duschen" im Schatten geparkt hatte, um mich umzuziehen und das Material zu sortieren. Da ich seit einigen Monaten diesen Termin geplant hatte, war mein Rad auf Marathon vorbereitet, es war das Trek mit Schutzblechen und Regenjacke (die sich gut sei Dank als unnötig erwiesen) und Dreifachschaltung (was auch nicht nötig war, da ich nie vom mittleren Kettenblatt weggeschaltet habe) sowie Zusatzbremshebel auf dem Oberrohr wie beim Crosser, die sich als sehr nützlich erwiesen haben, da man mehr Griff- und damit Sitzpositionen hat.
Für das Event gab es ein eigenes Trikot für die Teilnehmer
vom Sponsor Jeantex, das etwas an die Feuerwehr erinnerte, aber die Farbe Orange ist die Farbe von Nortorf, das an diesen Tagen seine Farben trug. Auf jeden Fall war man durch die Leuchtstreifen gut zu erkennen. Das Ausmachen der eigenen Mitfahrer (Vereinskollegen) wurde etwas erschwert. Das Wetter war hervorragend angesagt, die Temperatur am Start betrug 17 Grad.
Die Fahrerinnen und Fahrer versammelten sich ab 23:30 Uhr an Start und Ziel am Marktplatz in Nortorf. Ein wenig mullmig war mir schon im Magen, was da auf mich zukommen würde. unter dem Startbogen traf ich Helmut von den Helmuts-Fahrrad-Seiten - wie immer auf den letzten Drücker - und Andrea von der RG Wedel. Thomas kam vorbei und sagte, er werde etwas weiter hinten mit den "Marathonis" Bärbel und Co. starten. Ich beschloss mir eine passende Gruppe zu suchen.
Gegen 23:45 Uhr gab es ein großes Feuerwerk (was die meisten nicht sehen konnten, da die Kirche dazwischen stand) und mit dem Abschluss gab der Vereinsvorsitzende Bernd das Startzeichen von einem Kranausleger herunter.
Unmittelbar hinter dem Startbogen kam eine 300 m lange Kopfsteinpflasterstrecke, die der Materialtest für viele Flaschenhalter und Lampen wurde. Schnell waren wir aus Nortorf heraus und sahen in der Dunkelheit erst einmal wenig und dementsprechend wurde langsam gefahren. Die Straßen waren leer und mit der Zeit hatte ich eine Gruppe um mich, die ein angenehmes Tempo anschlug. In Rendsburg wurden wir vom Organisator Bernd erwartet, der uns in den Fußgängertunnel unter den Nord-Ost-Kanal einwies.
Dort führten alle (2) Rolltreppen nur nach unten, auf der anderen Seite beide nach oben, um uns ca. 220 Starter schnell wieder auf die Straße zu bringen. Dort wurde kurz neu sortiert und durch die menschenleere Innenstadt gefahren. Dann kamen plötzlich ca. 10 Radlerinnen und Radler von hinten und setzten sich an die Spitze, wobei sie von einen "Leutnant" namentlich aufgerufen und einsortiert wurden. Wie ich feststellte war Thomas dabei und die Organisatoren waren Bärbel und ihr "Leutnant" Stephan, der die ganze (!) Strecke an der Spitze rechts vor Bärbel vor. Beide sind in der RTF und Marathon-Szene fast deutschlandweit bekannt, denn wer mehr als 16.000 km bei RTF's und Marathon im Jahr unterwegs ist, gehört zu einer seltenen Spezies Mensch. Ein zweiter Fahrer dieser Gruppe wechselte immer auf der linker Spitzenposition, mal war es Thomas dann Kalli, dann ... ? Ich dachte bei mir: "Wenn es denen Spaß macht vorn zu fahren, bin ich der Letzte, der sie daran hindert." In Alt Duvenstedt hatten einige "Spaßvögel" die mit Leuchtstreifen versehenen Richtungspfeile verdreht, so dass wir 200 m Umweg fuhren. Den Rest der Strecke gab es solche Probleme nicht mehr.
Bis zum Depot in Schleswig (bei km 61, 2:17 Uhr, 17 Grad) gab es keine besonderen Ereignisse, nur kurz vorher ging's die Straße Hesterberg auf einem üblen Kopfsteinpflasterstück hoch und war froh, dass es nicht nass war. Dann winkte uns ein in Nachhemd und Zipfelmütze gekleideter Herr in die Einfahrt des Depots bei der Polizei. Ich stellte mein Rad vor das von Thomas, weil ich dringend einem menschlichen Bedürfnis nachkommen musste. Die Örtchen waren aber ein paar Meter zu Fuß zu erreichen. Als ich zurückkam, sah ich Thomas und fragte, wo ich meine Flasche nachfüllen könne und bekam zur Antwort: "Wir fahren jetzt weiter." Da die Flasche noch gut halb gefüllt war, nahm ich mein Rad und folgte Thomas, während ich eine Gelpackung entleerte. Wie gut, dass ich auf Eigenverpflegung ausgelegt war. Die Gruppe war etwas kleiner, wobei nach 2 km ein Stopp eingelegt wurde, da auch andere mal "mussten".
Vorn wieder Stephan und ein weiterer Fahrer, aber nach ca. 15 km wurde Unterstützung der weiteren Teilnehmer der Gruppe angefordert. Da ich gerade in 3 Position fuhr, dachte ich, warum nicht, ich bin ja auch im Training häufig allein und das Tempos, das Stephan regelte war angenehm. So machte ich meine Helmlampe an, die eine bis dahin nicht gesehene helle Reichweite hatte. Jeder Richtungspfeil wurde frühzeitig gesehen, außerdem zeigte mein Garmin die Strecke an, die der RSG Mittelpunkt vorher ins Internet gestellt hatte. Einige Male piepte er, um zu zeigen, dass wir vom rechten Pfad abgekommen waren, aber das lag an Bauarbeiten und dadurch bedingte Umleitungen. So fuhren wir durch hügeliges Gelände bis zum Depot Oeversee (bei km 92, 3:25 Uhr, 16 Grad). Dort wieder die gleiche Prozedur, aber ich konnte meine Flasche auffüllen und eine Banane und ein Brot essen, bevor der "Leutnant" zur Weiterfahrt befahl. Da wir leichten Schiebewind hatten, ging ich wieder nach vorn. Ab Tarp war es dann auch eben wie ein Topf und das Tempo wurde etwas angezogen. Die Dämmerung kam am Horizont und langsam erwachte der Tag. Menschen sahen wir selten dafür jede Menge Rindvieh (einige saßen in Taxen).
Husum erreichten wir im Hellen und an einigen Ecken roch es sehr gut, wenn die Bäcker dort ihrem Tagwerk nachgingen. Das Depot Husum (bei km 139, 5:03 Uhr, 16 Grad) war in einem Privathaus untergebracht und der Besitzer hatte Stephan einen oder zwei Kaffee versprochen. So zog sich der Start hin die Pause dauerte schon eine halbe Stunde und zu meinem Entsetzen, Stephan zündete sich seine 2. Zigarette an! Thomas wollte weiter, ihm war ohne Arm- und Knielinge kalt und so versuchten wir unser Glück, da einige Fahren starteten. Leider ergab sich keine Gruppe, so dass wir zu Zweit und dann zu Dritt über schöne Wirtschaftswege, aber teilweise jetzt auch mit Gegenwind, Richtung Heide fuhren. Von den schönen Orten wie Friedrichstadt haben wir leider nicht viel gesehen, da die Streckenführung über schöne Wirtschaftswege führte. Aber einen Storch habe ich bei der Froschsuche gesehen. Es war nicht da beste Teilstück für Thomas. Zum Glück konnten wir uns nach 25 km an die "Kattenberger" anhängen, die uns bis zum Depot in Wesseln (bei km 177, 6:50 Uhr, 17 Grad) zogen. Überraschender Weise war dies unser schnellstes Teilstück des ganzen Marathons.
Als wir frühstückten, hier gab es auch für uns Kaffee, trafen Bärbel und Stephan wieder ein, so dass wir uns ihnen wieder anschließen konnten. Die Streckenführung wechselte wieder auf größere Straßen, was den Vorteil hat, dass der Belag glatt und besser befahrbar ist, aber den Nachteil, dass langsam der Samstagsverkehr beginnt.
Ca. 5km vor dem nächsten Depot an der Steigung zur Kanalbrücke, eine Steigung, die wir so noch nicht hatten, machte sich mein linkes Knie übel bemerkbar und ich mußte die Gruppe ziehen lassen, da ich kaum "Druck auf das Pedal" bekam. Am Depot Hanerau-Hademarschen (bei km 216, 8:40 Uhr, 22 Grad) sahen wir uns wieder und zog meine Arm- und Knielinge aus und konnte das Knie etwas beruhigen. Danach fuhren wir wieder in der Gruppe zusammen, bis ich 3 km vor dem Ziel in Nortorf an der Bundesstraßenbrücke die Gruppe wieder fahren lies, um ruhig ins Ziel zu kommen.
Das Ziel (bei km 255, 10:15 Uhr, 26 Grad) davon reine Fahrzeit 9:18 Std./Min war belebt, da die Trial WM in vollem Gange war. Dort trafen wir Andrea wieder, die schon 20 Min vor uns eingetroffen war. Capeau. Ich bin zunächst am Office vorbei, um mich bei Günter für die tolle Organisation zu bedanken und dann zu den Sanitätern, um mein Knie zu kühlen, was von den jungen Damen auch zuvorkommend gemacht wurde. Dabei konnte ich mich auch bei meiner Familie melden, die wegen der Ferien gerade aufgestanden war und frühstückte. Anschließend bin ich zum Auto, habe das Rad eingeladen und geduscht. Erst jetzt konnte ich noch mal zum Marktplatz, um etwas zu essen und zu trinken und den Kindern beim Trial zuzuschauen - etwas, was ich bestimmt nicht versuchen werde.
Dem Veranstalter und den Helfern muss man für die viele Arbeit danken, es kann mit keinem Obulus abgegolten werden.
Das Knie ist nach ein paar Tagen und regelmäßiger Zufuhr von Heparinsalbe wieder ruhig und die ersten kleinen Fahrten mit der Ehefrau sind erfolgreich verlaufen.
Die Streckenführung, aufgezeichnet mit Garmin Edge 205:
 
Das "Höhenprofil", aufgezeichnet mit Polar S710:
weitere Fotos der Veranstaltung
Weitere Informationen unter
der Super Veranstalter RSG Mittelpunkt
Schleswig-Holstein Zeitung
Helmut - wie immer - dabei
wilf