24 Stunden um einen See
Was soll man in diesem Jahr unternehmen? Cyclassics schon 10 Mal gefahren, Marathons bestritten, RTF in großer Zahl, also was soll's diesmal werden. Irgendwann im Februar tauchte im TOUR Forum die Nachricht auf, dass ein 24 Stunden MTB Rennen (gibt es sowas?) auch für Crosser geöffnet wurde. Nach der abgelaufenen Crosssaison, in der wir (ich spreche hier nur von dem kleinen harten Kern der RG Wedel) regelmäßig gefahren sind eigentlich eine verlockende Idee. Mal geschaut, was so an Informationen im Netz erhältlich ist. Der Alfsee ist ein Rückstaubecken der Hase (ist ein Fluß bei Osnabrück) und die Landschaft flach wie die Marsch und Elbe. Also was soll einen Crosser dort aufhalten? Also wurde im März gebucht und die Planung vorbereitet. Die Crosser waren ja auch noch nicht eingemottet, also konnte weiter fleißig trainiert werden. Auch in Helmuts-Fahrrad-Seiten formierte sich eine Gruppe von Interessierten.
Zum Training ging's um die Rissener Kiesgrube, um das Fahren im Kreis zu üben. Es ist schon etwas anderes eine CTF zu fahren, oder immer wieder die gleiche Strecke. Wobei dieses von Vorteil ist, man kennt irgendwann jede Bodenwelle, die es zu beachten gibt, erst recht wenn die Beleuchtung nachläßt. Martin hat sich zum Geburtstag eine Spitzenbeleuchtung gekauft, ich habe mich daran erinnert, dass Axel bei der Sjaellandt Rundt auch so ein Teil hatte, das er mir zur Verfügung gestellt hat. Also wurde auch einige Male im Dunkeln trainiert, um sich an andere Verhältnisse zu gewöhnen und Erfahrungen zu sammeln. So kamm schnell heraus, dass eine Lampe am Rad schön aber eine 2. auf dem Helm viel besser ist, da sie genau dahin leuchtet, wo man hin fährt. Auch der Klövensteen eignet sich hervorragend, um Strecke zu üben, denn Alfsee = flach = Strecke (habe ich gedacht). So gewappnet wurden die letzten Planungen angegangen. Wie wird übernachtet auf einem 5* Campingplatz? Was wird eingekauft? Welche Ersatzteile werden mitgenommen? Und und und ...
Am Freitag gegen 11:30Uhr war ich dann bei Martin und Christiane in
Norderstedt, um das Rad von Martin zu verladen, denn hatte sein neues
Auto voll (Zelt etc.). Die Autobahn nach Bremen war noch frei, so dass
wir um 14:30 Uhr auf dem Campingplatz waren. Die Rezeption und alles
machte eine tollen Eindruck, der auch die Veranstaltung über anhielt.
Der Praktikant des Veranstalters zeigte uns, wo wir das Zelt
aufschlagen sollten. Er hatte anscheinend keine Ahnung, dass die Plätze
für Wohnmobile gedacht waren und der Untergrund mit Steinen verfestigt war, also
keine Chance auf einfache Art einen Hering in den Boden zu bekommen.
Aber für Martin gibt es kein "geht nicht". Zu Schluß standen Zelt(e)
und der Pavillion. Christiane kümmerte sich während der gesamten
Veranstaltung um unser leibliches Wohl und sorgte für Kaffee, Essen,
trinken und was man sonst so braucht.
Was
machen wir also, die Räder vom Dach und die Strecke erkunden. Ich nahm
mein nannook Crosser mit den ganz dünnen Reifen und los geht es. Aber
wo lang, denn noch ist nichts ausgeschildert. Eine wage Ahnung der
Streckenführung habe ich ja aus den Skizzen im Internet, die ich als
GPS Datei zusammengebaut und auch auf meine I-Magic Trainer geladen
habe. Eine gute Sache, die Strecke vorher virtuell auf Google Earth
abzufahren. Aber es war nicht klar, ob im Uhrzeigersinn oder entgegen.
1. Runde also falsch herum,
denn
zu Schluß trafen wir auf die Mitglieder des TUS Bramsche bei der
Vorbereitung der Strecke. Aber klar schon einmal, dass Deich runter und
rauf - für mich - mit den Reifen nicht geht. Also zurück zum Lager und
den 2. Crosser mit den etwas dickeren Reifen und der MTB Übersetzung
genommen. Die Strecke war fertig und mir wurde klar, so einfach wird
das hier nicht. In der ersten Durchfahrt des Doppel-W (Deich rauf und
runter im Zickzack) hat es mich auch gleich gelegt und die
Rippenprellung sollte mich wochenlang an die Veranstaltuing erinnern.
Dazu kam ein kleines Angstgefühl im Hinterkopf bei jeder Auffahrt. Also
entschloss ich mich, in Crossermanier das Rad zu schieben, was unter
dem Strich nicht zu viel Zeitverlust, aber größere Sicherheit bot.
Martin in seinem jugendlichen Elan
geht da ganz anders ran. Er fuhr natürlich durch auch über die Brücken
an der Wasserdurchfahrt. Zurück zum Lager und wir treffen auf die
Mitglieder der Helmuts-Fahrrad-Seiten Teams. Die hatten größeres vor,
da Mathias während der Veranstaltung auch noch
Geburtstag
hatte. Dann erst einmal die TipTop Sanitäranlagen besuchen, um zu
duschen. Anschließend etwas essen und noch einmal den See erkunden. Es
sieht abends sehr schön aus.
Die Nacht war nicht so in meinem Sinn. Ich
habe das letzte Mal vor 15 Jahren gezeltet und die vielen Nachbarn
verursachen einen Geräuschpegel, der das Einschlafen erschwert.
Außerdem fühlte ich mich im Schlafsack wie in einer Wurstpelle, oder
hatte ich aus Versehen einen Kinderschlafsack erwischt? Besser waren
die daran, die mit riesigen Wohnmobilen angereist waren. Trotzdem das
Frühstück schmeckte und die Räder mußten ja auch noch präpariert
werden.
Jetzt erst wurde uns klar, warum 2 Nummer bei der Akkreditierung
ausgegeben wurden. Außerdem ein Transponder montiert, was bei uns kein
Problem bei den MTB Kollegen, deren Anzahl 20 Mal höher war als die der
Crosser, schon. Denn deren Ofenrohr-dicke Rahmen wollten nicht so
einfach umkabelt werden. Danach noch ein wenig Sightseeing am Platz,
der ja auch eine Kartbahn, eine Wasserskianlage usw. vorhält, für jeden
etwas.
Um 13:00 Uhr wurde es Ernst, die Fahrerbesprechung.
Eingentzlich nichts neues, ausser dass wir den BDR Kommisär fragen
wollten, wie das mit dem Fahrerwechsel so sein kann, denn über Telefon
hatte man am See keine Empfang. Die Antwort, es darf maximal ein Fahrer
auf der Strecke sein, aber es kann auch keiner auf der Strecke sein,
beruhigte uns, so konnte man auch am Zelt wecheln, wenn alle Sticke
reißen. Dann wurde die Reihenfolge festgelegt, ich war Starter, Martin
Schlußfahrer und Wechsel nach 2 Runden (ca. 1 Stunde). So fuhr ich zum
Start auf den Deich und musste gleich durch das Doppel W. Das Feld zog
sich auseinander, da hier Profis, Amateure und Hobbyfahrer unterwegs
waren. Beim Fahren geht auch sehr schnell die Nervosität verloren, die
sich vor dem Start breit macht. Martin kann es kaum erwarten, auf die
Piste zu gehen und er holt die Zeit wieder auf, die der Vorstart
gekostet hat. Insgesamt ist er schneller als gedacht. Die Pausen werden
genutzt, um etwas zu essen und zu trinken, die Kleidung zu wechseln,
man sieht auf den Bildern, dass das Wetter schlechter wurde und man
ohne Weste oder Jacke zu kalt wurde.
Nach
dem Wechsel um 20:00 Uhr wurde es nass und wir entschlossen uns,
die Nacht durchzufahren. Ab 21:00 Uhr war Licht vorgeschrieben, Martin
montierte sein B&M. Als er nach 22:00
Uhr war er ein wenig irritiert. Erst ist ihm das Licht gleich nach dem
Wechsel heruntergefallen und war auf der Piste zu reparieren, aber die
Helmlampe funktionierte. Dann hatte er einen Sturz an der
Wasserdurchfahrt und auf der Strecke lagen plötzlich 4 vor ihm fahrende
MTB Fahrer auf dem Deich, die auf einem nassen Metallschafsgatter
ausgerutscht waren. 3 Krankenwagen machten dann die Verwirrung
komplett, obwohl den Fahrern Gott sei Dank nichts Großes passiert ist.
Also war für uns um 23:00 Uhr Schluß und wir wollten zur Verpflegung,
die für Fahrer und Betreuer eingerichtet war. Aber dort war nachts
Ebbe. Auch auf den Geburtstagstrunk bei Mathias haben wir verzichtet,
damit noch etwas mehr Ruhe bekamen.
Gegen 5:30 Uhr wurde ich wach und begann mich zu sortieren. Es war kalt, also die Lange
Hose und eine Fliessweste gewählt, um warm zu werden. Für unterwegs ein
koffeienhaltiges Gel gewählt, da erst nachher Frühstück sein
sollte. Dies fiel leider auch nicht so aus, da im Fahrerlager die
Brötchenlieferung nicht ankam.
Also
organisierte Christiane wieder das Frühstück und der Kaffee wärmte von
innen. Aber auch das Wetter spielte mit und es wurde etwas wämer.
Leider nicht so wie die Wochenenden vorher und nachher, die richtig
sommerlich ausgefallen waren. Also wieder Klamottenwechsel angesagt.
So
langsam ging es auf die Zielgerade - das Ende war abzusehen. In der Zwischenzeit gab es ein Nachwuchsrennen der Kinder, die mit ihren Pukyrädern (oder auch richtigen MTB's) Runden an der Wechselzone drehten. Während der Veranstaltung sah man viele Jugendliche, die mit Begeisterung das Rennen mitfuhren.
Es wurden
jetzt fast Ehrenrunden gedreht und auch Martin hatte seine Lockerheit zurück.
Anstrengend war es aber auch jetzt. Ich konnte in der Zwischenzeit
wieder duschen, bevor der große Ansturm begann und mich ein wenig
entspannen, denn ich musste nach der Siegerehrung nach Hamburg
zurückfahren. Die Siegerehrung begann pünktlich um 15:00 Uhr dauerte
aber, da der Schirmherr, der Veranstalter, der ... alle ihre Rede
halten wollten. aber die Einzelfahrer und Crosser wurden als erste
aufgerufen.
Das Team RG Wedel - nannook
ist erster in der Klasse Cross 2er Team geworden. Als Preis gab es für
jeden eine Fahrradrucksach und Kettennieter etc. immerhin. Auf dem
Treppchen standen wir mit Bernd aus Lohne, der allein soviel gefahren
ist, wie wir beide - Chapeau. Die Crosser vom Team Schmodder heizten
die ganze Zeit als 4er Team und sind ca. 680 km gefahren -
Respekt.
Aber wie sieht die Antwort auf die Frage aus, ob ich so was noch mal machen würde? Ein klares JEIN. Ich glaube bei derzeitigem Konditionsstand ein 24 Stunden Straßen Rennen Ja, für ein MTB Rennen müsste ich weniger Gewicht und eine viel bessere Technik haben. Und natürlich die Angst ablegen, die mich zeitweise in riskanteren Passagen gehindert hat. Da sind die jungen Wilden im Vorteil. Etwas was ich nicht mehr machen möchte, ich zelten. Nein. Wenn, dann in Wohnmobil oder fester Unterkunft.
Aber es gibt ja noch so viele schöne Veranstaltungen....
Alle Fotos gibt es hier.
Ein schönes Video gibt es hier.
Natürlich haben auch Helmuts Foris berichtet.
Die Streckenführung und das Höhenprofil (man beachte die Sägezähne) einer Runde, aufgezeichnet mit Garmin Edge 705:
Weitere Informationen unter
wilf